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Jährlich erkranken in Köln etwa 100 Menschen 
			erstmals an einer schizophrenen Psychose
 

Angststörungen

Angst ist ein Phänomen, das jeder Mensch in unterschiedlichen Situationen und in unterschiedlicher Ausprägung wiederholt erlebt hat. Die normale Angst hat eine Alarmfunktion und soll Aktivitäten zur Beseitigung der drohenden Gefahr auslösen. Pathologische Angst lähmt dagegen körperliche und geistige Funktionen. Krankhaft ist das grundlose, übermäßige oder auch das fehlende Auftreten von Angst. Wichtig bei der Beurteilung von Angst sind die direkten oder indirekten Folgen: "Angst vor der Angst" (Erwartungsangst), Vermeidungsverhalten, soziale Isolierung.

Bei Patienten mit Angststörungen stehen oft körperliche Beschwerden im Vordergrund. Die Patienten berichten z.B. über Schwindel, Tachykardie, abdominelle Beschwerden oder verminderte Belastbarkeit. Doch auch hinter diesen Beschwerden kann eine Angstsymptomatik stehen.

Angststörungen können unterschiedlich klassifiziert werden. Die häufigsten Formen sind die generalisierte Angsterkrankung mit frei flottierender Angst, phobischer Angst sowie Panikattacken. Angststörungen haben auch im sozialen Bereich gravierende Folgen und führen oft zu ausgeprägter Behinderung.

Behandlungsbedürftige Angst als Symptom tritt bei etwa 10% aller Menschen auf. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Einfache (spezifische) Phobien (Tierphobien, Höhenangst, Klaustrophobie) sind die häufigsten Angststörungen. Die Panikstörung ist eine der selteneren Formen, aber auch am häufigsten behandlungsbedürftig.

Die soziale Phobie ist eine anhaltende Angst vor Situationen, in denen die Person im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit anderer steht. Die Angst führt in der Regel zu ausgeprägtem Vermeidungsverhalten. Häufig tritt die Angst auf, in sozialen Situationen etwas Lächerliches zu sagen oder nicht antworten zu können. Typische Angstsymptome bei sozialen Phobien sind u.a. Erröten, Vermeiden von Blickkontakt, Händezittern, Übelkeit oder Drang zum Wasserlassen.

Das Hauptmerkmal der spezifischen Phobie ist eine anhaltende Angst vor einem umschriebenen Objekt oder einer umschriebenen Situation. Am häufigsten tritt Furcht vor Tieren auf (Zoophobie), besonders vor Hunden, Schlangen, Insekten oder Mäusen. Andere phobische Situationen sind der Anblick von Blut, der Aufenthalt in geschlossenen Räumen (Klaustrophobie), der Aufenthalt in der Höhe (Akrophobie) sowie das Fliegen. Ganz typische Situationen der Agoraphobie sind z.B. sich in Menschenmengen zu befinden, sich auf öffentlichen Plätzen aufzuhalten oder weit von zu Hause entfernt zu sein. In solche Situationen befürchtet der Patient, dass für ihn plötzlich problematische Situationen auftreten könnten, ohne dass eine sofortige Hilfe möglich wäre oder dass er die Situationen nicht verlassen könnte. Der Patient befürchtet plötzlichen Schwindel, Ohnmachtsgefühle, Depersonalisationsgefühle, Verlust der Blasen- oder Darmkontrolle und Herzbeschwerden. Oftmals tritt die Störung in Kombination mit einer Panikstörung auf.

Bei Panikattacken setzt plötzlich intensive Angst ein, die sich innerhalb von einigen Minuten zu einem Höhepunkt steigert. Ohne sichtbaren Anlass tritt Panik meist attackenweise auf. Die Dauer einer Panikattacke ist sehr unterschiedlich. Meist dauert sie 10 Minuten bis 30 Minuten. Panikattacken sind mit ausgeprägten körperlichen Symptomen verbunden. In fast allen Fällen kommt es zum Auftreten von Herzklopfen, Brustschmerzen, Beklemmungsgefühlen, Schwindel und Zittern. Weitere vegetative Symptome wie Schwitzen, Atemnot, abdominelle Beschwerden und Ohnmachtsgefühle sind sehr häufig. Als Folge entwickelt sich eine Angst davor, zu sterben oder Angst vor Kontrollverlust. In dieser Situation wird von den Patienten häufig der Notarzt gerufen.

Bei der generalisierten Angststörung besteht eine unrealistische oder übertriebene Angst bezüglich allgemeiner oder besonderer Lebensumstände. Die Angst hält über einen längeren Zeitraum an und schwankt allenfalls in der Intensität. Die betroffene Person ist nicht in der Lage, sich länger als nur kurzfristig von den Ängsten abzulenken oder zu distanzieren. Wichtigste Symptome sind motorische Spannung, vegetative Überregbarkeit, Hypervigilanz und erhöhte Aufmerksamkeit.
Da die Abgrenzung zwischen generalisierter Angsterkrankung und normaler Angst sehr schwierig ist, gibt es kaum verlässliche Zahlen über die Häufigkeit dieser Störung. Die Störung findet sich offensichtlich bei Frauen häufiger als bei Männern.

Bei der Angststörung stehen sowohl psychotherapeutische als auch medikamentöse Therapien zur Verfügung. Generell werden Antidepressiva wie z.B. selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und neuere Serotonin/Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) eingesetzt. Vorübergehend können Benzodiazepine als Komedikation verwendet werden. Benzodiazepine zeigen bei raschem Wirkungseintritt, insbesondere wichtig bei Krisenintervention, ein bevorzugtes Ansprechen bei somatischen Angstsymptomen. Bei längerfristigem Einsatz muss das Abhängigkeitsrisiko gegen die gute Wirksamkeit sorgfältig abgewogen werden.

Psychotherapeutische Verfahren scheinen wirksam zur Bearbeitung von ängstlich-dysfunktionalen Kognitionen zu sein. Eine begleitende Psychotherapie ist daher sinnvoll.

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FETZKlinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Köln

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