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Jährlich erkranken in Köln etwa 100 Menschen 
			erstmals an einer schizophrenen Psychose
 

Depressionen

Die Gefühle wie Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Antriebsarmut sind an sich normal und keine Krankheit. Die Übergänge der vorübergehenden Traurigkeit und einer Depression als Krankheit sind fließend. Entscheidend für die Behandlungsbedürftigkeit sind Dauer und Ausmaß der Symptome. Von einer typischen Depression spricht man, wenn mehrere der folgenden Merkmale über einen Zeitraum von mehr als zwei Wochen fast ständig zu beobachten sind: Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit, Verlust von Interesse oder Freude und erhöhte Ermüdbarkeit; verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit, vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, Schuldgefühle und Gefühle von Wertlosigkeit, negative und pessimistische Zukunftsperspektiven, Suizidgedanken oder Suizidhandlungen, Schlafstörungen, verminderter Appetit.

Es gibt eine Reihe von körperlichen Erkrankungen, die eine Depression auslösen können. Deshalb sind die körperliche Untersuchung und die Erhebung pathologischer Organbefunde zur Diagnostik depressiver Erkrankungen ganz wichtig. So kann man möglicherweise bestehende körperliche Ursachen der Depression erfassen. Andererseits kann eine Depression auch die pathologische Reaktion auf schwere organische Krankheiten sein. Insbesondere bei Altersdepressionen, die mit ausgeprägten kognitiven Störungen einhergehen, kann die Differentialdiagnose zu einer beginnenden Demenz (sog., "depressive Pseudodemenz") schwierig sein. Aber auch verschiedene Medikamente, die für andere Erkrankungen verschrieben werden, können eine Depression auslösen.

Depressionen gehören heute zu den psychischen Erkrankungen, mit denen der Arzt in Praxis und Klinik am häufigsten konfrontiert wird. Exakte Zahlen zur Häufigkeit hängen von Stichproben- und Diagnosekriterien ab, auch schwankt die Häufigkeit in verschiedenen Ländern und Kulturkreisen. Zwischen 8 und 20 % der Gesamtbevölkerung erkrankten im Laufe ihres Lebens (Lebenszeitprävalenz) an einer Depression.

Die Entstehung einer Depression ist als multifaktoriell bedingt anzusehen. Durch Familien-, Zwillings- und Adoptionsstudien konnte die Bedeutung genetischer Faktoren bestätigt werden. Das Erkrankungsrisiko der Kinder ist bei einem kranken Elternteil höher. Auch wurden Hypothesen entwickelt, wonach Depressionen mit einer Dysbalance verschiedener Neurotransmitter zusammenhängen sollen.

Ein Teil der Depressionen besitzt eine saisonale Rhythmik, eine sog. saisonale Depression tritt nur im Herbst-Winter auf und ist durch eine besondere atypische Symptomatik charakterisiert. Insbesondere die Tagesschwankungen der Depressivität sowie die bei endogenen Depressionen typischen Durchschlafstörungen mit morgendlichem Früherwachen sind Ausdruck einer zirkadianen Rhythmusstörung.

Als Risikofaktoren für die Auslösung depressiver Erkrankungen werden psychosoziale Stressoren, insbesondere Tod eines Nahestehenden, Scheidung, Trennung sowie das Wochenbett angesehen.

Psychodynamisch-psychoanalytische Modellvorstellungen gehen von der "Trauerarbeit " als Reaktion auf den Verlust eines geliebten Objektes aus. Das Erlebnis des "Objektverlustes" wird durch Einverleibung (Introjektion) abgewehrt und damit auf das eigene Ich gerichtet. Als entscheidend für die Entwicklung einer depressiv-verwundbaren Persönlichkeit wird eine Störung der Mutter-Kind-Beziehung bzw. eine Ich-Schwäche (Verlust des Selbstwertgefühls) angesehen. Die Wiederholung frühkindlicher traumatisierender Erfahrungen und das Wiederaufleben der damit verbundenen negativen Gefühlsassoziationen führen zum Ausbruch der Depression.

Nach kognitions- und lerntheoretische Modellvorstellungen ist der Depressive durch negative Wahrnehmung der eigenen Person, der Umwelt und der Zukunft gekennzeichnet. Stress führt zur Aktivierung dieser depressionstypischen Kognitionen (Denkmuster), die u.a. charakterisiert werden können: Übergeneralisierung (Verallgemeinern einzelner negativer Erfahrungen) oder selektive Abstraktionen ("Tunnelblick"). Aus verhaltenstheoretischer Sicht kann Depression als Störung der Selbstwahrnehmung, Selbstbewertung und Selbstverstärkung aufgefasst werden. Persönlichkeitsfaktoren wurden lange Zeit als wesentliche individuelle Disposition zur endogenen Depression angesehen. So charakterisierte Tellenbach seinen Typus melancholicus als Primärpersönlichkeit, die sich durch Ordentlichkeit mit Überkorrektheit, Genauigkeit und Aufopferungsbereitschaft auszeichnet.

Grundsätzlich gibt es bei depressiven Erkrankungen viele verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Häufig bilden sich die Depressionen spontan in Wochen oder Monaten zurück. Bei leichteren Fällen können allein Psychotherapien Patienten helfen. Bei schweren Fällen müssen aber psychopharmakologische Maßnahmen mit Antidepressiva durchgeführt werden. Eine Behandlung von Depressionen braucht Zeit. Nur in Ausnahmefällen dauert die Behandlung kurz. In der Regel werden alle Therapieverfahren erst nach einigen Wochen voll wirksam und im Fall der Einnahme von Medikamenten sind mit unangenehmen Begleiterscheinungen verbunden. Ein zu früher Abbruch in dieser Behandlungsphase ist leider ein häufiger Schritt in einen Rückfall. Und schließlich wird – besonders wenn die aktuelle Depression nicht die erste Erkrankungsepisode war – auch eine spezifische Zusatzbehandlung eingesetzt, in der es um die Verhinderung weiterer Rückfälle geht.

Weiterführende Links:
www.kompetenznetz-depression.de
www.buendnis-depression.de

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FETZKlinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Köln

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