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Jährlich erkranken in Köln etwa 100 Menschen 
			erstmals an einer schizophrenen Psychose
 

Forschung

Die Forschung zur Früherkennung und Frühbehandlung besitzt eine lange Tradition in der Psychiatrie, ist aber in ihrer praktischen Umsetzung erst wenige Jahre alt. Dabei kommt der Früherkennung eine entscheidende Rolle zu, um seelische Gesundheit zu erhalten. Die zentralen Fragen dabei lauten: Welche Indikatoren lassen auf ein erhöhtes Erkrankungsrisiko schließen? Wie ist es möglich, vorherzusagen, welche Menschen erkranken werden und welche nicht? Weiterer Forschungsbedarf ergibt sich im Bereich der Frühbehandlung. Welche Behandlungsart ist die wirksamste Therapie? Für welche Menschen in welchem Risikostadium ist welche Behandlung die richtige? Die Antworten auf diese Fragen setzen umfangreiche kontrollierte Interventionsstudien voraus. Erst so lassen sich verlässliche Aussagen über die Qualität einer präventiven Behandlung treffen.

Die wissenschaftliche Arbeit des FETZ gilt der Entwicklung von Kriterien und Modellen für die Vorhersage von psychischen Störungen sowie von präventiven Interventionen.

Bei der Entwicklung von entsprechenden Vorhersagemodellen verfolgen wir einen Mehrebenenansatz. Hierzu gehören neben der Psychopathologie vor allem neuropsychologische und neurophysiologische Parameter sowie die strukturelle und funktionelle Bildgebung.

Im Bereich der Behandlung und Prävention beforscht das FETZ sowohl psychologische als auch pharmakologische Therapieansätze. Ziel ist es, langfristig eine an das individuelle klinische Bild und den individuellen Risikostatus angepasste Interventionsstrategie zu entwickeln.

Zum Beispiel koordinierte das FETZ die "European Prediction of Psychosis Study EPOS" – eine Verlaufsstudie zur Verbesserung der Vorhersagemöglichkeiten psychischer Erkrankungen – in Zusammenarbeit mit Partnern aus den Niederlanden, Finnland, England und Spanien. Auch die bundesweiten Aktivitäten im Projektverbund "Früherkennung und Frühbehandlung" des Kompetenznetzes Schizophrenie, einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung initiierten Forschungsverbund der führenden Forschungsinstitute sowie Versorgungseinrichtungen, gestaltet das FETZ maßgeblich mit. In Köln wurde weltweit erstmals eine Studie zur psychotherapeutischen Intervention bei Menschen mit erhöhtem Psychoserisiko durchgeführt. Erste Ergebnisse zeigen den positiven Effekt der Behandlung.

In Zusammenarbeit mit Früherkennungszentren in Bonn, Düsseldorf, Aachen, Berlin, München und Göttingen wird unter Kölner Koordination und unter Beteiligung des Zentrums für Klinische Studien Köln (ZKS Köln) eine randomisierte, kontrollierte Therapiestudie zur Frühintervention von Psychosen durchgeführt. International liegen derzeit mehrere Studien vor, die sowohl für psychotherapeutische als auch für pharmakologische Behandlungsstrategien auf eine gute Wirksamkeit in der Frühphase von Psychosen hinweisen, ohne dass diese beiden Behandlungsansätze bislang jemals direkt miteinander hinsichtlich ihrer Wirksamkeit bei der Vermeidung einer ersten psychotischen Episode verglichen wurden. Diese Wissenslücke soll mit PREVENT nun geschlossen werden, so dass die Studie damit auch eine internationale Vorreiterposition bei der Erforschung der bestmöglichen Behandlung von Menschen mit einem erhöhten Risiko für psychotische Erkrankungen besitzt. In PREVENT wird die medikamentöse Behandlung mit dem atypischen Antipsychotikum Aripiprazol (Abilify ®) mit einer Placebo-Medikation sowie einer Psychotherapie (Kognitive Verhaltenstherapie) bei Personen mit einem nach ihrem Beschwerdebild erhöhten Risiko für die Entwicklung einer ersten psychotischen Episode verglichen. Dabei stehen vor allem die Verhinderung des Auftretens einer Psychose (Sekundärprävention) und die Milderung der aktuellen Symptomatik im Vordergrund.

Die im Rahmen des 7. Forschungsrahmenprogramms der Europäischen Kommission geförderte “European Gene Environment Interaction Study” (EU-GEI) wird noch im Jahr 2010 anlaufen und zielt darauf ab, über einen Zeitraum von fünf Jahreninteragierende genetische, klinische und umweltbezogene Einflussfaktoren für Entwicklung, Ausprägung und Erkrankungsfolgen schizophrener Psychosen zu identifizieren. Die detaillierte Analyse des Zusammenspiels von Risiko- und Schutzfaktoren soll in der Folge die frühe Prädiktion eines Übergangs von einem Risikostatus in eine manifeste klinische Störung oder dessen Ausbleiben sowie den Verlauf im Falle eines stattgehabten Übergangs verbessern helfen. Zu diesem Zweck sollen auf Basis der Studienbefunde multidimensionale Algorithmen zur Abschätzung des individuellen Risikos entwickelt werden, um insbesondere den Anteil falsch positiver Vorhersagen zu reduzieren.

Die multizentrische Studie wird von der Universität Maastricht, Niederlande, koordiniert.

Nähere Informationen zu Projekten und Publikationen des FETZ finden Sie auf den entsprechenden Informationsseiten des FETZ.

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FETZKlinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Köln

Eckhard-Busch-Stiftung